6zd9WIn_Tvw

Viele Christen denken, dass die Christi Geburt am 25. Dezember gefeiert wird, weil die Kirchenväter das Datum eines heidnischen Festes übernommen haben. Fast niemand stört sich daran, außer ein paar kleine christliche Gruppen welche denken, dass dieser Umstand Weihnachten zu einem heidnischen Fest macht. Aber es ist vielleicht interessant zu wissen, wie die Wahl auf den  25. Dezembers fiel.  Es war das Ergebnis von Versuchen der frühesten Christen, das Datum der Geburt Jesu herauszufinden. Dies geschah aufgrund von kalendarischen Berechnungen, welche nichts mit heidnischen Festen zu tun hatten. Dazu gleich mehr.

1. Weshalb feiern Zeugen Jehovas kein Weihnachten?

Der Hauptgrund liegt darin, dass Weihnachten von Zeugen Jehovas ebenfalls als ein heidnisches Fest angesehen wird. 

Erklärungen hierzu finden wir reichlich auf der Webseite der Zeugen Jehovas. Nehmen wir hier als Grundlage einmal einen Artikel aus der von Zeugen Jehovas aufgelegten Zeitschrift Erwachet. Dort heißt es:

Die erste belegte Weihnachtsfeier zum Gedenken an die Geburt Jesu Christi fand 300 Jahre nach dem Ereignis statt. Im 4. Jahrhundert wurde das Christentum die offizielle Religion des Römischen Reiches, und nach Ansicht der Gelehrten legten die Christen den Geburtstag Jesu auf den 25. Dez. fest, damit er mit nichtchristlichen Feierlichkeiten zusammenfiel...

Statt gegen die heidnischen Feste anzukämpfen, entschloss man sich, mitzumachen und zu versuchen, sie zu ersetzen‘, erklärte Russell Belk, Professor an der Universität von Utah . . . ‚Die heidnischen Feiertage, die vom Christentum ersetzt wurden, waren die römischen Feierlichkeiten der Saturnalien — ausgelassene Festlichkeiten mit gegenseitigem Beschenken — und später das Julfest in England und Deutschland, mit dem die Wintersonnenwende gefeiert wurde.‘ Quelle: g93 22. 12. S. 16-19 

Wer ist Russel W. Belk?

Das genannte Zitat stammt aus dem Buch "Consumption and Spirituality". Dieses Buch ist kein geschichtliches Fachbuch, sondern eines welches sich mit wirtschaftlichen und ökonomischen Zusammenhängen befasst. Prof. Bark ist kein Historiker, sondern:

Professor Belk ist eine führende Autorität auf den Gebieten Konsum, Konsumkultur, Konsumverhalten, Sachlichkeit, Sammeln, Schenken, Teilen und dem digitalen Selbst.
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Russell_W._Belk

Von daher ist es verständlich, wenn er in seinen Werken zwar geschichtliche Ereignisse betrachtet, welche mit Konsum und Schenken zu tun haben. Es macht ihn aber in keiner Weise zu einer verlässlichen Quelle, wenn es um die Zuordnung & Deutung von historischen Ereignissen geht. Behalten wir einfach mal seine Aussage zu den Saturnalien im Sinn und sehen uns ein weiteres Zitat aus dem genannten Erwachet-Artikel an:

Einige interessante Einzelheiten erwähnte die Zeitung New York Newsday vom 22. Dezember 1992. Sie führte John Mosley, den Autor des Buches The Christmas Star, an: „ ‚Die frühen Kirchenführer feierten Weihnachten nicht in erster Linie im Dezember, um der Geburt Christi zu gedenken. Es war‘, so Mosley, ‚ihre Art, der Wintersonnenwende zu begegnen‘, dem Wendepunkt des Winters, wenn die Sonne ihre Wanderung nach Süden beendet, wieder in Richtung Norden wandert und neues Licht bringt. Beweise dafür sind nach Aussage Mosleys in den Weihnachtssymbolen zu finden. Am auffälligsten ist die Verwendung von grünen Pflanzen, die in einer Zeit der Dunkelheit und Kälte Leben symbolisieren. ‚Die auffälligste grüne Pflanze ist der Weihnachtsbaum‘, erklärte Mosley. ‚Und die Nordeuropäer feierten die Sonnenwende im Wald; sie beteten Bäume an. Der Weihnachtsbaum ist somit ein Rückfall in die Baumverehrung prähistorischer Zeit.‘ ‚Womit schmückt man die Bäume?‘ fragte Mosley. ‚Mit Lichtern. Licht ruft die Sonne zurück und symbolisiert die Sonne. Es dient der Wiedergeburt der Sonne und der Wiederkehr des Lichts nach der Sonnenwende. Überall waren die wichtigsten Merkmale der Sonnenwendfeiern Licht und grüne Pflanzen.‘ Der 25. Dez. war gemäß Mosley ‚auch das ursprüngliche Datum der Wintersonnenwende, und viele Weihnachtsbräuche, die man heute pflegt und für relativ modern hält, können in Wirklichkeit bis zu den Sonnenwendfeiern zurückverfolgt werden‘.“ Quelle: g93 22. 12. S. 16-19 

https://de.wikipedia.org/wiki/Saturnalien#cite_note-5

Wer ist John Mosleys:

Wieder stellt sich die Frage, ob es sich bei dem genannten Autor um einen Fachmann für kulturell-historische Forschung handelt. Was sind die Qualifikationen des Autors? Hierzu ein Zitat:

John Mosley ist Astronom, Planetarier, Autor, Pädagoge und war fast 30 Jahre lang Programmleiter des Griffith Observatory. Er hatte auch Positionen als Mitarbeiter Astronom für Hansen Planetarium, und als Dozent für die University of Michigan Exhibit Museum Planetarium. Während seiner Zeit am Griffith Observatory wurde er zu einem angesehenen Gutachter für astronomische Software und er leitete den Griffith Observatory Star Award, der herausragende Leistungen im Bereich der Astronomie im Internet auszeichnet. Mosley hat einen Bachelor of Science-Abschluss in Astronomie und Geologie von der University of Michigan, Ann Arbor. http://www.astronomyoutreach.net/index.php?title=John_Mosley 

Wir halten also fest, dass es sich bei Mosley auch nicht um einen Experten handelt, welcher im Bereich der kulturhistorischen Forschung angesiedelt ist. Interessant wäre also, wie Experten in diesem Bereich die Verwenung der Bäume deuten. Dazu mehr im obigen Video. Wir möchten aber kurz auf das Fachwissen von Mosley zugreifen, wenn es um Datierungen geht. Da er hier Experte ist kann er vielleicht etwas zu der Thematik der Saturnalien beitragen. Feierten die Christen tatsächlich am 25.Dezember die heidnischen Saturnalien? Was sagt er dazu? In einem Fachartikel, in welchem er auf 11 beliebte Fehler eingeht, welche bei Vorstellungen in Planetarien gemacht werden, sagt er:

Jede der folgenden elf Aussagen, die häufig in Planetariumsshows zu hören sind, ist entweder sachlich falsch oder irreführend und bedarf der Richtigstellung ...

11. Die frühen Christen feierten Christi Geburt am 25. Dezember, weil dies das Datum der römischen Saturnalien ist und die Christen hofften, unbemerkt zu bleiben, während die römischen Heiden mit ihren eigenen wilden Feiern beschäftigt waren.

Der 25. Dezember ist ein interessantes Datum, welches astronomische Verbindungen hat, aber es ist nicht das Datum der Saturnalien. Die Saturnalien waren ursprünglich ein Erntefest, das in etwa unserem amerikanischen Thanksgiving entspricht. Es begann mit einer öffentlichen Opferung im Saturntempel und wurde von einem Festmahl gefolgt. Obwohl es sich ursprünglich um ein eintägiges Fest handelte, das am 17. Dezember gefeiert wurde und auf das zwei Tage allgemeiner Feiertag folgten, wuchs es schließlich auf sieben Tage an (Augustus beschränkte es aus geschäftlichen Gründen auf drei, aber es wuchs wieder auf fünf an). Es war ein beliebter Feiertag, an dem Geschenke ausgetauscht wurden, die Schulen geschlossen waren und Sklaven besondere Zuwendungen erhielten. Zu keiner Zeit jedoch dehnte sich der Feiertag auf den 25. aus. Der 25. Dezember wurde 275 n. Chr. zu einem wichtigen Feiertag in der römischen Welt, als Kaiser Aurelian das Datum als "Dies Natali Invictus" oder "Dies Natalis Solis Invicti" -- die Geburtsstunde der unbesiegbaren Sonne -- proklamierte und mit den Anhängern von Mithra einen Tempel für die Sonne auf dem römischen Campus Martius einweihte. Weihnachten entstand zu einer Zeit, als der Sonnenkult in Rom besonders stark war, und viele seiner Bräuche gehen auf die Sonnenanbetung zurück. 

Übersetzt von https://www.ips-planetarium.org/page/a_mosley1981

Mosley korrigiert die Behauptung mit den Saturnalien, welche wir also hiermit vergessen können.

Ist aber sein Bezug zum "Fest der unbesiegbaren Sonne" korrekt? 

Dieser Artikel geht davon aus, dass das heidnische Fest der "Geburt der unbesiegten Sonne", welches vom römischen Kaiser Aurelian am 25. Dezember 274 eingeführt wurde, mit ziemlicher Sicherheit ein Versuch war, eine heidnische Alternative zu einem christlichen Datum zu schaffen. Die "heidnischen Ursprünge von Weihnachten" wären damit ein Mythos ohne historische Substanz.

Wie könnte man das belegen?

2. Kein Sonnenkult im Dezember vor Aurelian

Die Idee, das Datum wäre von den Heiden übernommen, geht auf zwei Gelehrte aus dem späten siebzehnten und frühen achtzehnten Jahrhundert zurück.

  1. Paul Ernst Jablonski (1693-1757), ein deutscher Protestant, wollte zeigen, dass die Feier der Geburt Christi am 25. Dezember eine der vielen "Verheidnungen" des Christentums war,  welche die Kirche des vierten Jahrhunderts annahm. Dies sei eine von vielen "Entartungen" gewesen, welche das reine apostolische Christentum in den Katholizismus verwandelten.
  2. Dom Jean Hardouin (1646-1729), ein Benediktinermönch, versuchte zu zeigen, dass die katholische Kirche heidnische Feste für christliche Zwecke übernahm, ohne dabei das Evangelium an Sich mit heidnischen Lehren zu verändern.

Im julianischen Kalender, der 45 v. Chr. unter Julius Cäsar geschaffen wurde, fiel die Wintersonnenwende auf den 25. Dezember, und es schien daher für Jablonski und Hardouin offensichtlich, dass der Tag eine heidnische Bedeutung gehabt haben musste, bevor er eine christliche bekam.

Tatsächlich aber hatte das Datum im heidnischen römischen Festkalender vor Aurelians Zeit keine religiöse Bedeutung, und auch der Sonnenkult spielte in Rom vor ihm keine große Rolle.

Es gab zwei Sonnentempel in Rom, von denen der eine (unterhalten von der Familie, in welche Aurelian hineingeboren wurde) sein Einweihungsfest am 9. August feierte, der andere am 28. August. Beide Kulte gerieten jedoch im zweiten Jahrhundert in Vergessenheit, als östliche Sonnenkulte wie der Mithra-Kult mehr und mehr Anhänger in Rom gewannen. Und keiner dieser Kulte, weder der alte noch der neue, beging Feste, welche mit Sonnenwenden oder Tagundnachtgleichen verbunden waren.

Aurelian, der von 270 bis zu seiner Ermordung im Jahr 275 regierte, war dem Christentum gegenüber feindselig eingestellt. Es scheint, dass seine Einführung des Festes der "Geburt der unbesiegten Sonne" gedacht war, verschiedene heidnische Kulte des Römischen Reiches in einem Gedenken an die jährliche "Wiedergeburt" der Sonne zu vereinen. Er führte damals ein Reich, welches angesichts innerer Unruhen, Aufständen in den Provinzen, wirtschaftlichem Verfall und wiederholten Angriffen von germanischen Stämmen im Norden und dem persischen Reich im Osten zusammenzubrechen drohte.

Indem er das neue Fest schuf, beabsichtigte er ein Symbol zu schaffen. Die beginnende Verlängerung des Tages ab dem 25. Dezember sollte die erhoffte "Wiedergeburt" oder immerwährende Verjüngung des Römischen Reiches darstellen. Es sollten die Götter geehrt werden, deren Vormundschaft (so dachten die Römer) Rom zu Größe und Weltherrschaft gebracht hatte. Würde das christliche Fest damit assimiliert, um so besser.

3. Weihnachten - Berechnetes Nebenprodukt

Es stimmt, dass der erste Beleg dafür, dass Christen den 25. Dezember als Geburtsdatum des Herrn feierten, aus Rom kommt, einige Jahre nach Aurelian, im Jahr 336 n. Chr.

Es gibt jedoch Belege (sowohl aus dem griechischen Osten als auch aus dem lateinischen Westen), dass Christen versuchten, das Datum der Geburt Christi herauszufinden, lange bevor sie begannen, es liturgisch zu feiern. Die Belege deuten darauf hin, dass die Zuweisung des Datums auf den 25. Dezember ein Nebenprodukt von Versuchen war, die Feier zu Tod und Jesu Auferstehung zu bestimmen.

Wie kam es dazu? Es gibt einen scheinbaren Widerspruch zwischen dem Datum des Todes des Herrn, in den synoptischen Evangelien und dem Johannesevangelium.

  • Die Synoptiker scheinen ihn auf den Passah-Tag zu legen (nachdem der Herr am Abend zuvor das Passah-Mahl gefeiert hatte)
  • Johannes legt das Datum auf den Vorabend des Passah-Festes. Gerade als die Passah-Lämmer im Tempel für das Fest geschlachtet wurden, welches nach Sonnenuntergang an eben diesem Tag stattfinden sollte.

Die Lösung dieses Problems beinhaltet die Beantwortung der Frage, ob das letzte Abendmahl des Herrn ein Passahmahl war oder ein Mahl, das einen Tag früher gefeiert wurde. Auf diese Frage können wir hier in diesem Artikel nicht weiter eingehen.

Es genügt erst einmal zu sagen, dass die frühe Kirche eher Johannes als den Synoptikern folgte. Der Tod Christi fiel damit auf den 14. Nisan nach dem jüdischen Mondkalender.

Moderne Gelehrte sind sich übrigens einig, dass der Tod Christi nur im Jahr 30 oder 33 n. Chr. stattgefunden haben kann, da diese beiden Jahre die einzigen dieser Zeit sind, in denen der Vorabend des Passahfestes auf einen Freitag gefallen sein könnte; die Möglichkeiten sind entweder der 7. April 30 oder der 3. April 33).

Da die frühe Kirche jedoch mit Gewalt vom Judentum getrennt wurde, trat sie in eine Welt mit anderen Kalendern ein. Sie musste damit eine eigene Zeit für die Feier der Passion des Herrn finden, nicht zuletzt, um von den rabbinischen Berechnungen des Passahdatums unabhängig zu sein. Da der jüdische Kalender ein Mondkalender war, der aus zwölf Monaten zu je dreißig Tagen bestand, musste alle paar Jahre ein dreizehnter Monat durch ein Dekret des Sanhedrins hinzugefügt werden, um den Kalender in Übereinstimmung mit den Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden zu halten und um zu verhindern, dass sich die Jahreszeiten in unpassende Monate "verirrten".

Abgesehen von der Schwierigkeit, welche Christen gehabt hätten, dem Datum des Passahfestes in einem bestimmten Jahr zu folgen - oder vielleicht sogar genau darüber informiert zu sein -, hätte das Befolgen eines selbst ausgedachten Mondkalenders sie sowohl mit den Juden als auch mit den Heiden in Konflikt gebracht und sie sehr wahrscheinlich in endlose Streitigkeiten untereinander verwickelt. (Im zweiten Jahrhundert gab es heftige Auseinandersetzungen darüber, ob das Pascha immer auf einen Sonntag fallen musste oder auf einen Wochentag, der zwei Tage nach dem 14. Artemision/Nisan folgte, aber einem Mondkalender zu folgen, hätte solche Probleme noch viel schlimmer gemacht).

Diese Schwierigkeiten spielten sich auf unterschiedliche Weise unter den griechischen Christen im östlichen Teil des Reiches und den lateinischen Christen im westlichen Teil des Reiches ab.

  • Die griechischen Christen schienen ein Datum finden zu wollen, das dem 14. Nisan in ihrem eigenen Sonnenkalender entsprach, und da Nisan der Monat war, in dem die Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche stattfand, wählten sie den 14. des Artemision. Die diesen Monat viel die Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche in ihrem eigenen Kalender. Um 300 n. Chr. wurde der griechische Kalender durch den römischen ersetzt, und da die Daten der Monatsanfänge und -enden in diesen beiden Systemen nicht übereinstimmten, wurde der 14. Artemision zum 6. April.
  • Im Gegensatz dazu schienen die lateinischen Christen des zweiten Jahrhunderts in Rom und Nordafrika den Wunsch gehabt zu haben, das historische Todes-Datum Jesu zu nutzen. Zur Zeit von Tertullian waren sie zu dem Schluss gekommen, dass er am Freitag, dem 25. März 29 starb. (Am Rande sei bemerkt, dass dies unmöglich ist: Der 25. März 29 war kein Freitag, und der Passahabend im Jahr 29 n. Chr. fiel nicht auf einen Freitag und war nicht am 25. März oder überhaupt im März).

Im Osten haben wir also den 6. April, im Westen den 25. März.

3.1. Berechnung: Das angeblich Besondere an Propheten

An diesem Punkt müssen wir eine Glaubensvorstellung einführen, welche zur Zeit Christi im Judentum weit verbreitet gewesen zu sein scheint, die aber nirgends in der Bibel gelehrt wird. Daher ist diese Überzeugung auch schon lange aus dem Bewusstsein der Christen verschwunden.

Es handelt sich um die Idee des "integralen Alters" der großen jüdischen Propheten: Die Vorstellung, dass die Propheten Israels an denselben Daten starben wie ihre Geburt oder Empfängnis stattfand.

Diese Vorstellung ist ein Schlüsselfaktor, um zu verstehen, weshalb einige frühe Christen den 25. Dezember als das Datum von Christi Geburt berechneten. Die frühen Christen übertrugen diese Vorstellung auf Jesus. Damit waren der  25. März bzw. der 6. April nicht nur die angeblichen Daten von Christi Tod, sondern auch von seiner Empfängnis oder Geburt.

  • Es gibt einige flüchtige Hinweise darauf, dass zumindest einige Christen des ersten und zweiten Jahrhunderts den 25. März oder den 6. April als Datum der Geburt Christi ansahen.
  • Es scheint jedoch, dass sich recht schnell die Zuordnung des 25. März als Datum der Empfängnis Christi durchsetzte.

Er wird bis heute fast überall unter den Christen als "Fest der Verkündigung des Herrn" begangen. Wie Wikipedia erklärt:

Verkündigung des Herrn, lateinisch Annuntiatio Domini, auch Mariä Verkündigung (In Annuntiatione Beatæ Mariæ Virginis), ist ein Fest im Kirchenjahr und zugleich die Bezeichnung für das im Lukasevangelium geschilderte Ereignis der Verkündigung durch den Engel Gabriel, dass die Jungfrau Maria den Sohn Gottes vom Heiligen Geist empfangen und ihn gebären werde.

  1. Es handelt sich also um das vermeintliche Datum, an dem der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria die frohe Botschaft eines Erlösers überbrachte.
  2. Wie lang ist die Schwangerschaft? Neun Monate.
  3. Addiert man neun Monate zum 25. März, erhält man den 25. Dezember; addiert man sie zum 6. April, erhält man den 6. Januar.
  4. Der 25. Dezember ist Weihnachten, und der 6. Januar ist Epiphanias.

Weihnachten (25. Dezember) ist ein Fest westlich-christlichen Ursprungs. In Konstantinopel scheint es im Jahr 379 oder 380 eingeführt worden zu sein. Aus einer Predigt des heiligen Johannes Chrysostomus, damals ein bekannter Asket und Prediger in seiner Heimatstadt Antiochia, geht hervor, dass das Fest dort erstmals am 25. Dezember 386 gefeiert wurde. Von diesen Zentren aus verbreitete es sich über den gesamten christlichen Osten und wurde in Alexandria um 432 und in Jerusalem ein Jahrhundert oder mehr später eingeführt.

Nur die Armenier, die haben es nie übernommen und feiern bis heute die Geburt Christi am 6. Januar. Die westlichen Kirchen wiederum übernahmen das Epiphaniasfest am 6. Januar. Rom tat dies irgendwann zwischen 366 und 394. Aber im Westen wurde das Fest im Allgemeinen als Gedenken an den Besuch der Weisen beim Christuskind dargestellt, und als solches war es ein wichtiges Fest, aber nicht eines der wichtigsten - ein auffallender Gegensatz zu seiner Stellung im Osten, wo es nach Pascha (Ostern) das zweitwichtigste Fest des Kirchenjahres ist.

Im Osten übertrifft Epiphanias das Weihnachtsfest bei weitem. Der Grund dafür ist, dass das Fest auch die Taufe Christi im Jordan feiert und damit die Situation, bei der sowohl die Stimme des Vaters zu hören war, der heilige Geist herabkam und Jesus als Retter offenbart wurde.

4. Weihnachten - ein christliches Fest?

Der 25. Dezember als Datum der Geburt Christi scheint also nicht wie so oft behauptet heidnischen Einflüssen zu entspringen. Forscher sind sich zwar einig, dass der 25.12 als tatsächliches Datum von Christi Geburt nicht passt. Dennoch entstand das Datum ganz aus den Bemühungen der frühen lateinischen Christen, das historische Datum von Christi Tod zu bestimmen.

Der 25.12 war ein Nebenprodukt aus diesen Berechnungen!

Das heidnische Fest, welches Kaiser Aurelian im Jahr 274 an diesem Datum einführte, war ein Versuch, die Wintersonnenwende zu nutzen, um eine politische Aussage zu machen. Mit ziemlicher Sicherheit aber auch ein Versuch, einem für römische Christen bedeutendes Datum, eine heidnische Bedeutung zu geben. Die Christen wiederum könnten später die heidnische "Geburt der unbesiegten Sonne" abweisen, um anlässlich der Geburt Christi auf ihn als die "Sonne der Gerechtigkeit" hinzuweisen:

Mal 3:20 Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und Heilung ist unter[17] ihren Flügeln. Und ihr werdet hinausgehen und umherspringen wie Mastkälber[18].

5. Der Weihnachtsbaum

Hier möchte ich gerne noch die Quellen & Texte angeben, welche im obigen Video verwendet wurden. Für eine genaue Erklärung schau dir doch das dazugehörige Video an, in welchem ich auf die Zusammenhänge genau eingehe:

5.1. Veränderung der nordischen Mythologie durch den christlichen Glauben

Die Quelle zu diesem Text findest du unter: https://thefederalist.com/2017/12/15/christmas-baptizes-norse-mythology-powerful-christian-archetypes/

Die Übersetzung lautet auszugsweise:

Das Gedicht zur Geschichte Odins:
Ich weiß, dass ich an einem windigen Baum hing
neun lange Nächte,
Verwundet mit einem Speer, Odin geweiht,
mir selbst,
An dem Baum, von dem kein Mensch weiß.
woher seine Wurzeln kommen.
Kein Brot gaben sie mir, noch Trank aus einem Horn,
Hinab spähte ich;
Ich nahm die Runen auf, schreiend nahm ich sie,
Dann fiel ich zurück von dort.

Uns erscheint dies bizarr und esoterisch, aber für die Nordmänner war das Finden und die Übergabe der Runen an die Menschheit gleichbedeutend damit, nach Gottes Ebenbild geschaffen zu sein. Odin gewinnt die Runen durch seine Selbstaufopferung und gibt sie dann an die Menschheit weiter.

Die Fähigkeit zu sprechen und zu kommunizieren ist eines der wichtigsten Dinge, die den Menschen vom Tier unterscheidet. Es ist unsere mächtigste Fähigkeit, die Denken, Kommunikation, Politik usw. ermöglicht...

Die Nordmänner sahen die offensichtlichen Parallelen zwischen Jesus am Kreuz und Odin am Baum. Und dieser Baum war Yggdrasil: der Galgen des Furchtbaren, der Ort, an dem Gott gehängt wurde. Yggdrasil ist das Kreuz.

Bevor sie Jesus kennenlernten, feierten die Nordmänner einen Feiertag namens Yule. Dieses war mit der Wintersonnenwende aus dem gleichen Grund verbunden, wie es Jesu Geburt ist: Symbolik. Aber die Symbolik, dass der Rückzug der Sonne endet, ist in den kalten Ländern des Nordens viel auffälliger, denn dort bedeutet der Winter mehr als Entbehrung. In einer Welt ohne Elektrizität bedeuten Schnee und Eis den Tod.

So feierten sie das Weihnachtsfest, indem sie "die Mütter" mit einer nächtlichen Nachtwache am 25. Dezember ehrten. Bei den Müttern handelte es sich mit ziemlicher Sicherheit um die drei weisen "Hexen", die als Nornen bekannt sind und die den kosmischen Baum Yggdrasil ständig mit dem Wasser aus dem Brunnen von Urd erfrischen.

Ein Teil des Julfestes war es, immergrüne Bäume in die Häuser und Hallen zu bringen. Der immergrüne Baum wurde so zum Symbol für Yggdrasil, ebenso wie die Esche. Tatsächlich ist es ein weitaus passenderes Symbol, denn die immergrünen Bäume erinnerten an zwei Dinge: erstens, dass der Winter besiegt werden konnte, wie es die immergrünen Bäume jedes Jahr tun; und zweitens, dass Yggdrasil eines Tages in Ragnarok, dem nordischen Ende der Welt, siegen würde.

In der nordischen Eschatologie ist das Zeichen des Endes drei harte Winter hintereinander. Dann werden die Götter besiegt und alles wird im Wasser zerstört - bis auf Yggdrasil, der die Schrecken von Ragnarök erleidet, aber den Kataklysmus überlebt. Dann öffnet sich der große Baum und enthüllt zwei Kinder, die eine neue Erde bevölkern werden.

Aufgrund dieses Glaubens sahen die Nordmänner in Jesus ihr eigenes Weltbild vollendet. Er hing am Kreuz, wie Odin, um der Menschheit willen.Indem sie sich an das Kreuz klammern, können sie dem Zorn Gottes in Ragnarök entkommen, genau wie die Kinder, die sich in Yggdrasil versteckten. Die Kirchen des Nordens sind also explizit den immergrünen Bäumen nachempfunden, weil ihre Vereinigung mit Christus sie in den Schutz von Yggdrasil stellt.

Bild von Arnstein Rønning - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15178193

Und das Kreuz wurde für sie zu Yggdrasil: der Galgen des Furchtbaren, der Ort, an dem Gott für uns geopfert wurde. Schauen Sie sich vor allem die Stabkirchen an: Sie sind Weihnachtsbäume. Man kann tatsächlich in diese Weihnachtsbäume hineingehen und dort mit dem Leib Christi die Erlösung von Sünde und Tod finden. Innerhalb von Yggdrasil können Sie Ragnarök entkommen.

5.2. Heidnische Benennung der Wochentage

Mehr zu dem Ursprung der Namen unser Wochentage findest du unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Wochentag 

Siehe auch: Thomas J. Talley's The Origins of the Liturgical Year (The Liturgical Press)

Teile übernommen aus dem englischen Artikel von William J. Tighe . William J. Tighe ist außerordentlicher Professor für Geschichte am Muhlenberg College in Allentown, Pennsylvania, und Fakultätsberater der Catholic Campus Ministry. Er ist Mitglied der St. Josaphat Ukrainian Catholic Church in Bethlehem, Pennsylvania. Er ist mitwirkender Redakteur für Touchstone.