a7MT1MHh0uU

Jetzt wird' schräg. Mit diesem Video möchte ich eine Reihe starten, in welcher ich hier und da Merkwürdiges aus der Bibel genauer untersuchen werde ... Also Stranger Things in der Bibel :-) In diesem Teil geht es um die Frage, was Paulus Argument von der Natur aus 1 Kor 11 bedeutet. Müssen Christinnen eine Kopfbedeckung tragen oder nicht? Was hatte Paulus damals im Kopf?

Genauer untersuchen wir hier die Ausführungen von Troy W. Martin aus seiner Veröffentlichung "Paul's Argument from Nature for the Veil in 1 Corinthians 11:13-15: A Testicle Instead of a Head Covering". In dieser untersucht er den Begriff für Bedeckung (paraboleion) genauer und zeigt, wie der Begriff in der Zeit der ersten Christen medizinisch verwendet wurde.

Also - erst einmal das Video ansehen und dann werden diese Fragen hier zusätzlich relevant:

1. Inspiration der Bibel trotz falscher medizinischer Ansichten?

In den Kommentaren zu dem Video kam es wie erwartet zu der Frage, ob ein solcher "Fehler" nicht der Inspiration der Bibel widerspricht. 

Fakt ist ja erst einmal, dass diese medizinischen Erklärungen zum Thema Kopfbedeckung zwar von Paulus aufgegriffen wurden, aber nicht aus seinem Gedankengut kamen - und auch nicht aus dem Gedankengut Gottes, sondern möglicherweise das damalige wissenschaftliche Verständnis der Fortpflanzung widerspiegeln. 

Ich vermute, dass der Autor Troy W. Martin den hohen Bildungsstand von Paulus im Sinne hatte. Aus seinen Briefen sieht man ja, dass Paulus mit der damaligen außerbiblischen Literatur gut vertraut war. Das mal vorausgesetzt, könnte man annehmen, dass er auch auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft war (also von damals).

Nicht Paulus war derjenige, der diesen Schwachsinn (aus heutiger Sicht) geschrieben hat. Er hatte einfach den damaligen Ärzten vertraut. Ähnlich wie wir heute oft den Wissenschaftlern Vertrauen schenken. Warum hat der heilige Geist nicht verhindert, dass diese Gedanken von Paulus hier aufgegriffen wurden? Hier ein paar Ideen dazu:

  1. Der grundlegende Gedanke (Anstand im Gottesdienst) stimmt für uns trotzdem.
  2. Als weiterer Lehrpunkt wäre enthalten, dass die Bibelschreiber (bekanntermaßen) unvollkommen waren. Gott gebrauchte Bibelschreiber trotz ihrer Fehler - eine Ermunterung an jeden von uns . Wir haben ja auch etliche Fehler!
  3. Es ist nicht falsch der Wissenschaft zuzuhören - man sollte sich aber bewusst sein, dass diese auch falsch liegen kann.

Die Ausführungen von Troy W. Martin klingen schnell danach, dass die Inspiration angegriffen wird, was aber nicht seine Absicht ist.

Da die Bibel von Menschen mit Schwächen geschrieben und von Gottes Geist inspiriert ist, sollte (oder müsste) man beide Aspekte erkennen.

Ein Beispiel dazu - Paulus fällt beim Schreiben eines Briefes noch was ein...

1. Kor 1,14 Ich danke Gott, dass ich niemand von euch getauft habe, außer Krispus und Gajus; So kann doch wenigstens niemand behaupten, eure Taufe sei eine Taufe auf meinen Namen gewesen. 16 Da fällt mir ein: Ich habe auch noch Stephanas getauft und die, die zu seiner Familie gehören. Aber davon abgesehen kann ich mich nicht erinnern, jemand getauft zu haben. (Neue Genfer Übersetzung)

Ein menschlicher Zug also - er erinnert sich an etwas und korrigiert sich hier direkt.

Anderes Beispiel:

1. Kor 15,51 Ich sage euch jetzt ein Geheimnis: Wir werden nicht alle sterben, aber bei uns allen wird es zu einer Verwandlung ´des Körpers` kommen

Paulus erwartete die Wiederkunft Jesu zu seinen Lebzeiten, lag aber falsch - alle Leser (Korinther + Er selber) starben.

2. Nicht jeder kann so tief die Bibel studieren?!

In einem Kommentar bei Youtube heißt es zum Video:

"Welcher durchschnittliche Gläubige geht so tiefgreifend auf ein Wort ein, wie das gemeint sein kann? Wie werden all diejenige welche kein Zugriff haben auch solche Informationen im Internet diese Information verstehen?"

Tatsache ist "leider": Wir alle sind ja auch darauf angewiesen, dass Bibelgelehrte, Archäologen, Sprachwissenschaftler etc. gebraucht wurden. Dass hat dazu beigetragen, dass ich selber eine Bibel in meiner Sprache in der Hand halte. Der Durchschnittsbürger hätte sonst überhaupt keine Bibel im Besitz. Und das war ja lange so der Fall.

Von daher kann ich mir vorstellen, dass auch hier ein Plan abläuft und einige Punkte nach und nach immer noch besser verstanden werden.

Teils durch ältere Handschriften, die gefunden wurden (Qumram), teils durch andere archäologische Funde aus der Antike. Die Spannung in dieser Thematik ist mir aber bewusst und ich selber bin da auch weiter am studieren und forschen. Letztendlich muss jeder selber entscheiden, welche biblische Erklärung er für richtig ansieht.

Jeder von uns trägt da in seinem eigenen Rahmen eine Verantwortung vor Gott, die Aussagen von Priestern, Ältesten und Theologen zu prüfen. Und wahrscheinlich ist es nicht im Sinne Jesu, aufgrund solcher Themen (wie der Kopfbedeckung) die Christen mit einer anderen Meinung als falsch oder glaubensschwach darzustellen. Wenn die Bibel unterschiedliche Erklärungen zulässt - warum dies nicht als Anlass nutzen, seine Liebe zum Bruder und zur Schwester zu beweisen und ihre Meinung zu akzeptieren? "Liebe glaubt alles" - also sollte ich meinen Geschwistern zugestehen, dass sie eben aus Liebe zu Gott zu Ihrer Ansicht gekommen sind - gerade wenn ihre Ansicht von meiner eigenen abweicht!

Zusätzlich verwendetes Tool / Webseite: https://www.stepbible.org/